Reinhold Fuchs

Das Wrack der Aphrodite

Ein wrackes Barkschiff liegt an Frieslands Küste
Auf wüster Sandbank, deck- und mastenlos,
Das Nachts der Herbststurm ans Gestade warf.
Ertrunken ist die Mannschaft, fortgespült
Vom Wogenschwall die Ladung dunklen Weins,
Die zu Korinth der Barke ward vertraut
Und nun — den bleichen Schaum der Nordsee rötet.
Am halbzerspellten Schiffsbug aber hängt
Als Gallion ein holdes Frauenbild,
Und drunter glänzt, von braunem Tang umrahmt,
In goldner Schrift der benedeite Name
Der trauten Weltenherrin Aphrodite. —
Wildzartlich küßt die grüne Nordseewoge
Der Göttin weiße, sanftgeschwellte Brust,
Und zitternd fällt auf schwarzem Sturmgewölt
Ein Sonnenstrahl auf Stirn und Angen ihr
Und auf die Lippen, die wehmütig lächeln,
Voll Sehnsucht nach der Heimat Myrteuhainen.
Doch schnell erlischt der helle Himmelsstrahl,
Und öde wieder, gran und mürrisch rollt
Die Flut heran, die kahlen Dünen peitschend
An der Barbaren unwirtbarer Küste.
Aus weiter Ferne, schrill und klagend, hallt
Ein Mövenschrei, und aus der Tiefe hebt
Ein Seehundskopf sich, rund und glatt und blöde,
Starrt scheuen Blicks der Göttin ins Gesicht
Und taucht, erschreckt, ins kalte Meer zurück . .
.

.